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Die Gastfamilie und die Gasteltern

Was ist eine Gastfamilie?

Die Gastfamilie und insbesondere die Gasteltern spielen eine wesentliche Rolle beim Austauschjahr. Austauschschüler und die Eltern sind zu Anfang sehr gespannt, denn sie lernen die Gastfamilie erst relativ spät kennen. Die Gastfamilie muss durch die Schüleraustauschorganisation gefunden werden.

Und das ist nicht immer einfach, denn die Gastfamilie bekommt für die Aufnahme eines Austauschschülers kein Entgelt, keinen Lohn. Sie stellt ihre Leistungen ehrenamtlich zur Verfügung. Nur in wenigen Ländern, etwa in England oder Irland bekommt die Gastfamilie einen finanziellen Ausgleich. Die Gastfamilie bezahlt also den Aufenthalt, also die Versorgung des Austauschschülers selbst aus der eigenen Tasche. Klar, das unter solchen Voraussetzungen Gastfamilien nicht wie Sand am Mittelmeer vorhanden sind. Die Mitarbeiter der Austauschorganisationen müssen hier echte Arbeit leisten und eine geeignete Familie wirklich suchen. Eine Gastfamilie sieht sich auch Neuland gegenüber: sie muss gewillt sein, ein fremdes Kind für längere Zeit in die eigenen Familie, in die eigenen vier Wände aufzunehmen, es wie ein eigenes Kind zu versorgen. Auch innerhalb der Gastfamilie ist somit eine gute Vorbereitung und gedankliche Auseinandersetzung mit der neuen Situation Austauschschüler notwendig. Wie gesagt, ist hier der Mitarbeiter der Austauschorganisation gefragt, der die Gastfamilie über die Art und Weise des zukünftigen Zusammenlebens, der dadurch entstehenden Verpflichtungen informieren muss. Er wird der Familie eingehend erklären, wie ein gemeinsames Familienleben mit dem Austauschschüler funktionieren sollte und könnte. Das so etwas nicht von heute auf morgen geht, ist klar, denn auch die Gastfamilie braucht Zeit für eine Entscheidung. Für die Gastfamilie und insbesondere die Gasteltern bedeutet die Aufnahme eines Austauschschülers ein Mehr an Verantwortung, ein Mehr an Arbeit und ein Mehr an finanziellem Aufwand.
Hat sich die Gastfamilie dann für eine Aufnahme eines Austauschschülers entschieden und hat sich auch der Mitarbeiter der Schüleraustauschorganisation ein positiven Eindruck von der Gastfamilie verschaffen können, dann muss der Gastfamilie ein konkreter Austauschschüler zugeordnet werden. Diese Zuordnung obliegt in erster Line der Austauschorganisation, die allerdings der Gastfamilie in manchen Fällen ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Austauschschülers einräumt. Manchmal kann sich die Gastfamilie auch aus den Unterlagen der Schüleraustauschorganisation ein für sie passendes Kind aussuchen.
Die Gastfamilie und auch der Austauschschüler haben vor Ort einen Ansprechpartner, der (ehrenamtlicher) Mitarbeiter der Austauschorganisation ist. Diese persönlichen Ansprechpartner sind dann als Betreuer für den Austauschschüler und die Gastfamilie tätig. Sie bieten auch in vielen Fällen Aktivitäten an, die über das Familienleben hinausreichen. Sie ermöglichen den Austausch mit anderen Gastfamilien und anderen Austauschschülern. Die Betreuer sind auch als Vermittler tätig, falls es zu Problemen zwischen Gastfamilie und Austauschschüler kommen sollte.

Adresse der Gastfamilie

Viele Austauschschüler und deren Eltern warten gespannt auf die Adresse der Gastfamilie. Die meisten Austauschschüler erhalten die Adresse der Gastfamilie bereits lange vor der Abreise, spätestens vier Wochen vorher. Es kann – selten – vorkommen, dass bis kurz vor der Abreise noch keine Gastfamilie gefunden ist. Dadurch muss man sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen. Austauschschüler und Eltern sollten sich bewusst machen, dass die Vergabe von Programmplätzen bei den verschiedenen Anbietern nicht von bereits zur Verfügung stehenden Gastfamilien abhängt. Die Suche nach Gastfamilien für sämtliche Teilnehmer ist für die meisten Austauschorganisationen eine schwierige Aufgabe. Gleichzeitig muss auch noch eine Schule gefunden werden, die in der Nähe der Gastfamilie liegt und bereit ist, den ausländischen Schüler aufzunehmen. Beides immer rechtzeitig zu schaffen, ist für den Veranstalter oft schwer.
Warum ist das so? Nun, es gibt mehrere Gründe.
Die Zahl der Austauschschüler aus aller Welt steigt ständig an. Die Konkurrenz um mögliche Gastfamilien wird immer größer und härter. Eine Konkurrenz besteht auch hinsichtlich der zahlenmäßig begrenzten Schulplätze. Dabei steigen die Anforderungen, die die Gastschule an die Austauschschüler stellt. In vielen Ländern ist es üblich, dass die Schulen selbst entscheiden, ob und wie viel Austauschschüler sie aufnehmen. Dies ist besonders in den USA so. Dort wird von potentiellen Austauschschülern nicht nur Leistungsnachweise in Form von Zeugnissen und Lehrergutachten verlangt, sondern sie müssen zudem einen Englischtest absolvieren.
Obwohl die Austauschorganisation frühzeitig in den Familien um einen Austauschplatz für ein Gastkind werben, entscheiden sich die Gastfamilien oft erst, wenn die Anreise tatächlich kurz bevorsteht.
Gastfamilien zu finden ist im Sommer am schwierigsten, weil das die Zeit der Ferien ist. Aber die Ferienzeit ist gerade die Zeit, in der es für die Veranstalter am dringendsten wird, Familien zu einer Entscheidung zu bewegen.
Viele Gastfamilien möchten zunächst nicht für ein ganzes Jahr einen Austauschschüler bei sich aufnehmen. Sie stellen sich deshalb nur als Übungsfamilie oder für Notfälle zur Verfügung.
Wenn nun das Warten auf eine Gastfamilie unerträglich wird, weil die Abreisezeit nun wirklich unmittelbar bevorsteht, sollten sich die Eltern und das Kind an die Austauschorganisation wenden und um ein Gespräch bitten. Dort können sie konkrete Hinweise zum aktuellen Stand der Dinge erhalten. Vielleicht lassen sich auch Hindernisse ausräumen, die sich dadurch ergeben, dass die Angaben in den Unterlagen nicht mehr aktuell sind. Steht in den Unterlagen, dass der Schüler nicht bereit ist, ein Zimmer zu teilen, dass er raucht, dass er Vegetarier ist, dass er keine Haustiere erträgt und hat sich dass nun gewandelt, so kann sich nun einiges bewegen. Oft sind es wirklich nur Kleinigkeiten, die Gastfamilien von einer Zusage abhalten.
Nicht ausräumen lassen sich oft Faktoren wie Rauchen, chronische Erkrankungen, Allergien und Diät. Diese Faktoren behindern das Finden einer Gastfamilie aber erheblich.

Die weitaus meisten Veranstalter in Deutschland lassen ihre Teilnehmer erst abreisen, wenn die Gastfamilie feststeht. Man kann sich somit sicher sein, dass das Kind, wenn es abreist, wirklich in gute Hände übergeben wird. Allerdings kann es sein, dass der Abreisetermin deshalb verschoben werden muss, vielleicht sogar mehrfach.
Manche Austauschorganisationen lassen die Austauschschüler in jedem Fall zum festgelegten Termin abreisen und behelfen sich mit einer Übergangsfamilie oder sie bringen das Kind bei einem Betreuer unter. Diese Vorgehensweise ist nicht verkehrt, denn:
- viele Übergangsfamilien behalten das Gastkind für die gesamte Dauer des Austauschjahres.
- die Kinder sind besser zu vermitteln, wenn die Gastfamilie sie persönlich kennen lernen kann. Wenn mögliche Gastfamilien den Menschen und nicht nur die Akte vor sich haben, dann sind scheinbar schwierige Faktoren plötzlich ohne Gewicht. Oft ist es auch so, wenn ein Schulplatz gefunden wurde, dass dann neue Gastfamilien zur Verfügung stehen, nämlich die Lehrer oder die Familien der Schulkameraden.
Man kann also mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass beinahe alle Gastschüler innerhalb des ersten Monats in einer richtigen Gastfamilie untergebracht sind.

Motive der Gastfamilie, einen Austauschschüler aufzunehmen

Die Gastfamilien haben unterschiedliche Gründe, einen Gastschüler aufzunehmen. Finanzielle Gründe sind es jedenfalls nicht, denn es ist bei einem langfristigen Schüleraustausch nicht üblich, dass die Gastfamilie für die Aufnahme eines Schülers ein Entgelt erhält. Anders ist es bei Kurzprogrammen von Sprachreiseveranstaltern.
Motive können sein:
- Ein Kind der Gastfamilie nimmt ebenfalls an einem Schüleraustausch teil. Die Familie möchte sich revanchieren.
- Ein Kind der Gastfamilie lernt Deutsch und möchte ein deutsches Gastkind im Haus haben.
- Die Gastfamilie ist an Deutschland interessiert, weil sie Vorfahren aus Deutschland hat.
- Die Gastfamilie ist an einem Kulturaustausch interessiert, nimmt immer wieder Gastkinder aus und erfährt so etwas über deren Heimat. Selbst kann sie sich einen Auslandsaufenthalt nicht leisten.



Eignung der Gasteltern

Als zukünftiger Austauschschüler oder Eltern eines solchen hat man eine ganz bestimmte Vorstellung von der Zusammensetzung der Gastfamilie entwickelt. Danach besteht die Gastfamilie aus den Gasteltern, also Vater und Mutter, sowie zwei Kindern, wovon eins im Alter des Gastkindes ist. Zudem sollten nicht beide Gastelternteile berufstätig sein bzw. es sollte jemand zu Hause sein, wenn die Kinder aus der Schule kommen.
Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Es gibt einfach nicht ausreichend Familien, die genau diese Konstellation erfüllen und bereit sind, ein Gastkind bei sich aufzunehmen. Außerdem wäre es diskriminierend, Gastfamilien mit einer anderen Zusammensetzung abzulehnen; denn dafür gibt es keinen Grund.
Zwar liegt es auf der Hand,
dass eine intakte Familie mit beiden Elternteilen die größtmögliche Harmonie und stabilen familiären Zusammenhalt erwarten lässt,
dass bei einem gleichaltrigen Gastgesschwisterkind gleich ein Freund oder eine Freundin da ist und auch weitere Kontakte mit Gleichaltrigen einfach geknüpft werden können,
dass ein nicht berufstätiger Elternteil eine gute Betreuung und Zuwendung am besten gewährleisten kann.
Dennoch können Gastfamilien mit anderen Konstellationen genauso gut geeignet sein. Und es ist diese Eignung, die die Austauschorganisation prüft, auch bei der Idealfamilie. Es werden bei dieser Prüfung nicht nur schriftliche Unterlagen gesichtet, die Gastfamilie wird auch persönlich aufgesucht. In einem persönlichen Gespräch mit der Familie macht sich der Vermittler ein umfassendes Bild von der wirklichen Situation der potentiellen Gastfamilie und den Gasteltern.
Eignungskriterien sind:
Liegt eine ausreichende Motivation für die Aufnahme eines Gastkindes vor?
Sind die häuslichen Verhältnisse, insbesondere die Hygiene, die Sicherheit und die finanzielle Situation für eine Aufnahme eines Austauschschülers geeignet?
Ist ausreichend Platz für das Gastkind vorhanden. Ausreichend Platz bedeutet dabei nicht unbedingt ein eigenes Zimmer.
Verfügt die Familie in der Gemeinde über einen guten Ruf? Hier werden auch von Dritter Seite Referenzen eingeholt, etwa von der Schule oder der Kirche.
Als Austauschschüler oder Eltern eines solchen darf jedoch nicht erwartet werden, dass anhand der Auswahlkriterien ein einheitlicher Standard oder aber eine absolute Qualität gewährleistet werden kann. Man muss sich immer vor Augen halten, dass die Eignungsprüfung anhand subjektiver kultureller Maßstäbe erfolgt.