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isla_bell

 
 
 

16. Einen Monat später,,,,

Die erste Woche Dezember hatte nun angefangen. Die Arbeit mit den Kindern verlief völlig normal weiter, es gab Tage, da sprachen wir mehr miteinander und hatten auch mehr Spaß, andere, wo wir fast kaum sprachen und jeder ein bisschen das machte, was er wollte. Ich war insgesamt sehr zufrieden mit den Kindern, Margot beschäftigte sich eh immer selbst, und mit Oscar war es zwar ab und zu anstrengend, immer noch was die Hausaufgaben betrifft. Aber auch die Energie, die er an den Tag legte nachdem er sieben Stunden in der Schule verbracht hatte, erstaunte mich. Immer hatte er Lust Tischtennis zu spielen oder wenn ich ihn von der Schule abholte mitsamt seinem Schulranzen zu rennen. Da ich auch den ein oder anderen Tag sehr müde war, hätte ich mir gewünscht, dass er das auch einmal wäre, aber Pustekuchen:)
Diese Woche hatten beide ein Examen im Klavierspielen im Musikkonservatorium. Oscar hatte am Dienstag Abend seine Prüfung, Margot Donnerstag. Beide waren sehr aufgeregt, aber waren sehr gut vorbereitet, hatten also keine Probleme.
Oscar hatte zusätzlich noch in der Schule eine Geographie-Kontrolle, was hieß, dass ich zwei Tage mit ihm lernte, Anfangs war das ein wenig schwierig, weil er immer wieder etwas vergaß, falsch schrieb oder etwas verwechselte. Donnerstagabend war er jedoch vorbereitet und erzählte mir Freitagabend, dass er vielleicht ein oder zwei Fehler hätte, aber sonst wäre alles super gelaufen. Das freute mich natürlich. Ich war gespannt, ob die Mutter sich auch bei mir bedanken würde, wenn er eine gute Note nach Hause bringen würde. Denn diese hatte in der letzten Zeit ihre anfängliche Freundlichkeit eingebüßt, einerseits konnte das an ihrem langen Arbeitstag liegen, vielleicht aber auch, weil ihr Mann diese Woche in London war. In einigen wenigen Situationen kam sie sehr arrogant und von oben herab schauend herüber, verlangte Dinge ohne ein Bitte und ein Danke und würdigte mich sonst keines Blickes. Anfangs machte mich das ziemlich wütend, denn ich bin ein sensibler Mensch und hasse es, wenn andere respektlos anderen gegenüber sind, ließ schlussendlich aber alles an mir abperlen. Nur die Dinge, die sie mir aufgetragen hat, gehörten nicht zu meinen AuPair-Aufgaben. Falls dies dann noch einmal geschehen sollte, werde ich einfach Nein sagen und ihr erklären dass es nicht mein Aufgabenbereich ist. Ich bin ja keine Dienerin. Es störte mich eben auch, dass ich einen ganz schönen Tag mit den Kindern hatte, und abends einfach zu spüren bekomme, dass ich schleunigst abhauen sollte weil sie gefälligst allein sein will. Das konnte schon den ganzen Tag vermiesen.
Andererseits – vielleicht sind Menschen in den höheren Positionen, die nur noch am Erfolg orientiert sind (was sich auch deutlich in den Noten und Aktivitäten der Kinder widerspiegeln ließ) einfach nicht mehr fähig, nach der Arbeit abzuschalten und sich den echten Menschen ihrer Umgebung zu widmen. Eigentlich finde ich das ja schon traurig, nachdem ich aber nichts machen kann, werde ich mich wohl einfach so früh wie möglich aus dem Staub machen. Ist mir in dem Sinne auch recht, da ich dann immer sehr müde bin und auch meine Ruhe haben will.


von Text
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